Jakobsweg

Aufbruch



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Vorbereitungen und Ausrüstung



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Das ideale Pilgergepäck? - Nichts. Es gibt tatsächlich religiöse Vorstellungen, in denen das Nichts ein Ideal ist. Selbst von Franz von Assisi ist bekannt, dass er fast nichts auf seinen Reisen dabei hatte - der erste 'Minimalist'. Bloß leider bringen uns die physikalischen Zwänge des (modernen) Seins dazu, ein Gepäck zu schnüren. Dazu gibt es einige grundsätzliche Erwägungen:

  • Wie wird gepilgert? - Zu Fuß, mit dem Rad
  • Wie lange wird gepilgert? 1 Wochenende, in Etappen à 3 Wochen, oder von der Haustür bis zum Tor der Kathedrale in Santiago de Compostela, etwa 3 Monate ab Augsburg zu Fuß
  • Gesundheit
  • Wie soll übernachtet werden?
  • Wann ist der Aufbruch geplant?

Halten wir uns an das historische Vorbild und gehen von der Haustür zur Porta de Perdon in Santiago de Compostelle zu Fuß. Klar alles andere ist einfacher. Gepäck kann individuell verschieden sein. So würde der Autor sich und seine Ausrüstung vorbereiten, wenn er die gesamte Strecke nochmals gehen würde:


2 Wanderstöcke


sehr guter Qualität mit Federung: Sämtliche Tiere, die weite Strecken zu Lande zurücklegen laufen auf 4 Beinen, nicht auf 3(!) Sehr gut eignen sich auch einteilige Nordic-Walking-Stöcke, dann aber die richtige individuell passende Länge wählen. Billig-Modelle haben meist eine deutlich schlechtere Schlaufe am Griff als Markenware. Einteilige Stöcke sind wesentlich leichter als mehrteilige. Ein guter Wanderstock klappert nicht beim Gehen, schiebt sich nicht ungewollt zusammen, ist stramm gefedert und hat austauschbare Dornen. Diese nutzen sich auf der langen Strecke ab und müssen ersetzt werden. Passender Ersatz ist im Ausland nicht zu bekommen. Man kann sich sich Ersatz mit in den Rucksack packen. Richtig ausgefuchste Pilger schicken solche Teile im Voraus ins Ausland zu Bekannten. An ein Postamt postlagernd verschickte Päckchen können im Vorbeigehen am Bestimmungsort abgeholt werden. Unter der Bezeichnung 'Nordic Walking' entwickelt sich eine geeignete Lauftechnik mit Stöcken derzeit zum Trendsport. Geh-Erfahrung: Mit den Armen viel Kraft auf die Stöcke geben. Ohne 2 Stöcke wäre der Autor sicher wegen Problemen in seinen Knien nicht in Santiago angekommen.
Vollständiges Pilgergepäck



Breche auf,
lasse los,
beginne
dich zu verändern

Sei unterwegs
mit Leib und Seele
mit ganzem Herzen
entdecke dich neu.

Sammle
auf dem Weg
zur Mitte
dich selbst ein.

Und du wirst
ankommen.

Text ausgehängt
in der Kirche von Tafers (Schweiz),
am Jakobsweg

Die Waage


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Gewicht ist da A und O. Pilgern ist ein Gleichnis für das Leben. Es pilgert sich umso einfacher, je weniger man sich belastet. Den größeren Komfort bringt immer die LEICHTERE Sache, die man mitnimmt, nicht die komfortablere. Am besten etwas zu Hause lassen. Man kann unterwegs einkaufen. Wiegen, wiegen und nochmals wiegen. Jedes mitgenommene Teil sollte man vorher auf die (Brief)Waage legen und überlegen, ob es nicht eine leichtere Alternative gibt. Manchmal erlebt man dabei ganz schöne (!) Überraschungen.
Der Autor hat viele Kleinteile aufgelistet, die für wenige (1-10 g) unverzichtbare Funktionen bieten. Außerdem finden sich einige unbekannte Lösungen um Gewicht einzusparen wie z.B. das Zahncreme-Konzentrat.

Tipp: Gewicht merkt man erst richtig, wenn man es wieder aus dem Rucksack raustut. Laufen Sie 10 km mit Ihrem fertig gepackten Rucksack, dann entfernen Sie 1 kg Gepäck oder weniger und laufen nochmal 5 km. Sie werden den Unterschied deutlich merken.




Rucksack


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Man kommt um einen guten 60-Liter Rucksack fast nicht herum. Er wiegt leider leer schon fast 2 Kilo. Ganz wichtig ist es, wenn man noch keinen hat, den Rucksack vor dem Kauf voll beladen zu testen. Einige Tüftler sind jedoch mit 40-Liter Rucksäcken, welche durch die Bauart bedingt nur gut 1 kg wiegen, erfolgreich unterwegs.
Standart ist es, im Rucksack den Schlafsack ganz unten einzupacken. Darüber und nahe an den Rücken kommen die schwersten Ausrüstungsteile. Je weiter man nach oben kommt, desto leichter wird das Gepäck. Empfehlenswert ist es, alles in große, durchsichtige Plastiktüten zu packen. Sie schützen vor Feuchtigkeit und man weiß sofort, was wo drin ist.
Es ist unnötig, Etuis, kleine Taschen usw. zu verwenden, da sie unnützes Gewicht mitbringen. Eigentlich sollten diese schon an der Waage scheitern. Gut, wenn auch unschön sind stabile Plastiktüten. Auf Ästhetik kommt es beim Pilgern nicht an. Unterwegs ist es wichtig, Ordnung im Rucksack zu halten und regelmäßig 'Inventur' zu betreiben, wobei unnützes Gewicht ausgesondert wird. Nachdem Brösel usw. entfernt sind, macht das Pilgern wieder viel mehr Freude.




Gesundheit


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Aufbrechen wird nur, wer sich guter Gesundheit erfreut.

Präventionskurse: Fragen Sie Ihre gesetzliche Krankenkasse nach Zuschüssen für 'Präventionskurse'. Dies sind sportliche Aktivitäten, die der gesundheitlichen Vorsorge dienen. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten ca. 75,- Euro der Kursgebühr und mehr! Für den Pilger sind Nordic-Walking interessant aber auch Wirbelsäulengymnastik zur Stärkung des Rückens. Schließlich will der Rucksack getragen werden. Viele Fitness-Studios bieten solche Kurse an. Nehmen Sie dran teil. So trainieren nicht nur für den Weg sondern erfahren auch viel Wissenswertes über Ihren Körper durch fachgerechte Erklärungen.

Ein Kontrollbesuch beim Zahnarzt gehört zur Vorsorge. Selbst eine anfangs kleine Karies kann sich unterwegs zu einem großen Problem entwickeln. Deshalb müssen alle Zähne VOR dem Aufbruch repariert sein.

Ein Grundproblem des Pilgers sind seine Knie. Die ständige physische Belastung durch Stöße beim Gehen ist enorm und kann bleibende Schäden (Abnutzungserscheinungen) hervorrufen, auch wenn es der Pilger nicht sofort bemerkt. Sehr viele klagen unterwegs über Schmerzen in den Knien. Es gibt einige Pilger, die sich auf dem Jakobsweg die Knie 'kaputtgelaufen' haben und nun mit Schmerzen leben müssen. Diese Gefahr ist ein sehr gewichtiger Grund, den Jakobsweg vielleicht doch in Etappen anzugehen. Der Einsatz von 2 Stöcken beim Gehen ist Pflicht, da so die Knie um ca. 30% entlastet werden. Bandagen können zusätzlich hilfreich sein, müssen aber individuell exakt passen.

Gerade die erste Frühjahrssonne ist tückisch, wenn die Haut nach dem Winter noch nicht an UV-Strahlung gewöhnt ist. Sämtliche nackten Körperstellen sollten am Tag bei jedem Wetter mehrmals mit Sonnencreme eingerieben werden. Der Lichtschutzfaktor darf 20 nicht unterschriten. Der Pilger ist schließlich 8-10 Stunden täglich im Freien. Leicht vergisst man die Hände und bekommt einen Sonnenbrand auf den Handrücken. Gegen Sonnenbrand auf den Lippen hilft ein Lippenstift mit besonders hohem UV-Schutz (größer 20).

Blasen sind ein typisches Problem, welches viele Pilger haben. Vorbeugend hat beim Autor das Tragen von 2 einfachen Baumwollsocken übereinander Blasenbildung quasi vollständig verhindert. Auf diese Weise reiben die Socken gegeneinander in den Schuhen und nicht der Socken am Fuß. Es gibt vielerlei Abwandlungen dieser Methode. Auch das vorbeugende Einreiben der Füße mit Hirschtalg, um die Haut geschmeidig zu halten, hat schon vielen Pilgern Blasen erspart. Fußpilz fördert die Blasenbildung erheblich. Die Haut beginnt sich zu schälen. Das Klima in den Wanderschuhen ist genau das richtige für Pilze (Fungus). Der Autor hat dieses Problem in Griff bekommen, nachdem er morgens und abends seine Füße mit einem Antimykotikum (Salbe) behandelte. Blasen bilden sich oft kurz nach dem Aufbruch, wenn die Füße noch nicht ans Laufen gewöhnt sind und noch keine ausreichende Hornhaut gebildet haben. Nach ca. einer Woche Weg passen sich die Füße an. Informieren Sie sich im Voraus genau über die Behandlung von Blasen. Ausführliche Informationen gibt es bei Ihrem Hausarzt oder im Internet. Wichtig ist es, sorgfältig und steril zu arbeiten. Spezielles Blasenpflaster, welches u.a. Apotheken anbieten, ist hilfreich.




Papiere


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Ein Personalausweis reicht. Wir haben ja inzwischen offenen Grenzen in Europa.

Geld: Geldautomaten sind in ausreichender Anzahl überall zu finden. Somit kann man mit der EC-Karte abheben. Auf die Gebühren achten.

Krankenversicherung:

2008: Bitte beachten Sie:
Das Formular E111 der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es nicht mehr. Entsprchende Leistungen werden jedoch angeboten. Fragen Sie ihre Krankenkasse nach der 'Europäischen Krankenversicherungskarte'.

(alter Text:)
Mit dem Formular E111 von der gesetzlichen Krankenkasse ist der Pilger im EU-Ausland versichert, wie ein dort lebender Bürger. Trotz E111 sind Zuzahlungen für Behandlungen üblich. In Frankreich zum Beispiel muss man die gesamten Behandlungskosten vorstrecken. Die Abrechnung mit der dortigen zuständigen 'Caisse d'assurance maladie' oder 'Mutuelle' kann ein Problem sein, wenn man weiter will. Auf jeden Fall sollte eine zusätzliche Reisekrankenversicherung abschließen, wer im Ausland unterwegs ist. Vorsicht jedoch: Die meisten Versicherungen gestatten nur Reisen ohne Unterbrechung bis zur Länge von 45 Tagen.

Notfallrufnummern (sh. Risikomanagement)

Mit dem Pilgerausweis, welcher z.B. bei der Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg e.V. zu bekommen ist, darf in speziellen Pilgerherbergen übernachtet werden soweit sie vorhanden sind.

Pilgerführer oder benötigte Landkarte

Zu den 'ideellen' Papieren zählen Kopien von ein paar (geistlichen) Lieblingsliedern mit Text. In Kirchen darf frei gesungen und gebetet werden. Das waren für den Autor oft die schönsten Momente des Pilgerns. Es soll auch Leute geben, die gerne Gedichte rezitieren o.Ä. Viele Pilger führen ein Tagebuch. Oft trifft man andere Pilger und unterhält sich über familiäre Dinge oder das Zuhause. Solche Kontakte können unwahrscheinlich bereichend sein, wenn man noch ein Foto von Zuhause, dem Garten, den nächsen Angehörigen o.Ä. dabei hat. Ein kleines Adressregister ist auch nötig, damit man Karten an die 'Lieben daheim' schicken kann.

Papier wiegt enorm. Deshalb sollte man mit möglichst wenig auskommen. Nicht benötigte Papiere wie z.B. der Führerschein dürfen ruhig und sicher zu Hause bleiben. Der Pilger will ja 'aus eigener Kraft' ans Ziel kommen.





Risikomanagement


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Das Diebstahlrisiko auf der langen Strecke ist hoch. Deshalb sollte der moderne Pilger Geld möglichst nah am Körper unter der Kleidung tragen. Ein Portmonnaie in der Hosentasche zieht Taschendiebe magisch an. Sie sind im Stande zu stehlen, ohne dass der Pilger etwas davon bemerkt. Besser als ein Portmonnaie ist ein Brustbeutel. In der Nacht steckt man Papiere mit in den Schlafsack. Wichtige Rufnummern hat der achtsame Pilger mehrmals notiert und bewahrt sie an unterschiedlichen Stellen auf. Muss er die Bankkarte nach Verlust über die Sperrstelle für ungültig erklären, braucht er die richtige Telefonnummer sowie alle nötigen Daten wie Kartennummer, Bankleitzahl usw.. Wie er in diesem Fall zu einer neuen Bankkarte kommt, klärt er vor dem Aufbruch. Überhaupt bedient sich der aufgeklärte Pilger seines Verstandes und erwägt bereits im Vorfeld Handlungsweisen, die ihm im Gefahrenfall nützlich sein können.




Wäsche und Kleidung


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Man nimmt sehr wenig Wäsche mit. Reicht sie nicht, kauft man nach. Der Pilger wird bescheidener auf seinem Weg. Manche Pilger schätzen sogenannte 'Funktionsunterwäsche' weil sie leicht ist und schnell trocknet. Andere Pilgern mögen die Trageeigenschaften der Kunststofffasern nicht. Natürlich wäscht man täglich von Hand. Das geht mit normaler Seife sehr gut. Gleiches gilt für Socken und T-Shirt. Kleidung muss allen Wetterlagen standhalten. Die schlimmste ist eigentlich strömender Regen, der insbesondere in fremden Mittelgebirgslagen oftmals heftiger ausfällt, als in der Heimat. Ein großer Regenponcho, der über den ganzen Pilger mitsamt Rucksack geht, ist eine gute Lösung gegen Durchnässen. Solche werden in verschiedenen Armeen der Welt eingesetzt und bestehen aus wasserdichter, robuster Kunststofffolie. Atmungsaktivität ist bei diesen Wetterlagen nicht nötig. Wasserdichtigkeit ist das Gebot. Das größte Problem sind nasse Schuhe. Dagegen gibt es kein Rezept - vielleicht Gamaschen. Nasse Schuhe kann man nach der Ankunft mit Zeitung ausstopfen. Diese saugt die Feuchtigkeit auf, wenn man sie stündlich wechselt. Wechseln sollte man die Zeitung auch in der Nacht, wenn man mal auf die Toilette muss. Eine Trekkinghose ist leichter als eine normale Jeans, auch leichter zu tragen. Selbst beim Gürtel gibt es Gewichtsunterschiede. Trekkingsocken bestehen oft aus synthetischen Materialien und sind der Ergonomie des Fußes besser angepasst. Oft sind sie für den linken und rechten Fuß gekennzeichnet, damit sie ihre Passform behalten. Es ist wichtig, sie nicht zu verwechseln, wie bei den Schuhen(!). Einige Pilger nehmen auf dem Weg messbar ab. Die Folgen in Bezug auf die Kleidung sind eigentlich klar.


Grüner Armee-Regenponcho Keine Schönheit ist dieser Plastik-Mantel aus Armeebeständen aber er schützt sehr gut gegen Regen.

Der Weg


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Der Jakobsweg ist ein Höhenweg. Historisch waren die Täler oft wegen Sumpf nicht begehbar. Der Weg steigt in Mittelgebirgen oft an und schlängelt sich wieder nach unten. Er ist aber nirgends über eine längere Strecke richtig alpin. Eine Ausnahme bildet vielleicht eine Variante in der Schweiz. Kilometerlange Feldwege, Waldwege, Bergpfade im Mittelgebirge und Wiesenwege formen den Weg. Es gibt aber auch Etappen, während denen der Pilger sich fast nur auf Asphalt bewegt. Schwere Bergschuhe braucht der Pilger nicht. Leichte Wanderstiefel mit ca. 1100g sind die ideale Wahl.




Camping



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natürlich nur auf dafür ausgewiesenen Plätzen. Es gibt am Markt sehr wenige 1 Mann-Zelte bis 1500 g Gewicht. Alles, was darüber ist, ist zu viel. Die wenigsten Pilger haben ein Zelt im Rucksack. Mit dem Rad ist ein Zelt empfehlenswert. Eine kleine Taschenlampe hilft vor dem Schlafen, Stechmücken im Zelt zu fangen. So steht man morgens ohne juckende Stiche auf. Wichtig ist die Liegematte. Ein Großteil der Körperwärme wird nachts in den kalten Boden abgeführt. Hier hilft nur eine gute Isolation, wie sie selbstaufblasende Matten bieten z.B. von 'Therm-A-Rest' oder 'Exped'.




Jahreszeiten


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Der Winter ist i.A. zu problematisch und deshalb schlecht zum Pilgern geeignet. Gerade in der Schweiz kann der Schnee meterdick werden. In der Regel durchläuft der Pilger 2 Jahreszeiten. Bricht er im zeitigen Frühjahr auf, so braucht er noch einige Winterkleidung wie einen Pulli aus Fleeze. Diesen wird er mit nahendem Sommer nach Hause schicken um Gewicht zu sparen. Auch der Schlafsack kann 'angepasst' werden, jedoch bedeutet das einen Neukauf auf dem Weg.




Testläufe


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Es ist selbstverständlich, Testläufe mit der 'echten' Ausrüstung durchzuführen. Über 14 Tage verteilte Testläufe mit einer Etappenlänge bis 25 km - auch mit Übernachtung - trainieren nicht nur den Körper. Sie zeigen auch Mängel in der Ausrüstung recht zuverlässig auf. Eine 25 km lange Versuchsetappe an einem Tag mit starkem Regen zeigt, ob der Regenpocho in Realbedingungen etwas taugt. Ist man erst 'richtig auf dem Jakobsweg', ist man an Teile seiner Ausrüstung fast auf 'Gedeih oder Verderb' gebundnen (sh. Einkaufen unterwegs). Beispielsweise kann der Rucksack beinahe gar nicht ausgetauscht werden. Auch ein passenderer Schlafsack ist unterwegs schwer zu bekommen.




Navigation und Orientierung


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Natürlich studiert der Pilger vor dem Aufbruch genau die Route. Die 'Traumstationen' des Weges wird er schnell kennen und somit grundsätzliche Orientierung gewinnen. Im Allgemeinen ist der Weg von Deutschland bis Spanien sehr gut beschildert. Trotzdem ist es ratsam, sich unterwegs Karten zu beschaffen und nicht mehr benötigte nach Hause zu schicken. Es ist UNMÖGLICH und unsinnig, gesamtes Kartenmaterial für den Weg von zu Hause aus mitzunehmen. Eine klein geschriebene, detaillierte Liste der Ortschaften, die der Weg streift, auf A4 kopiert, ist hilfreich. So kann man immer wieder einen Anknüpfungspunkt am Weg finden. Beschreibungen von Baudenkmälern usw. finden sich unterwegs. Einige Pilger verwenden nur Kopien ihres Pilgerführers und werfen Blätter, die sie nicht mehr benötigen in den Müll um Gewicht zu sparen. Die Einwohner am Weg zeigen sich meist sehr hilfsbereit, wenn man sie nach dem Weg fragt.




Verpflegung


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In der Regel gibt es ausreichend Einkaufsmöglichkeiten. Jedoch ist es nötig, bei der Etappenplanung mitzudenken. Die Größe eines Ortes auf der Karte gibt recht zuverlässig Auskunft über vorhandene Geschäfte, jedoch nicht über Öffnungszeiten und Ruhetage. Wer was gern mag, bleibt jedem selbst überlassen. Viele Lebensmittel lassen sich jedoch schlecht im Rucksack transportieren. Entweder wird die Verpackung undicht oder sie werden durch die ständigen Stöße zu Brei verarbeitet, den man im Rucksack zusammen kratzen muss. Besonders tückisch sind die schönsten Bananen. Äpfel und Orangen machen dagegen ziemlich viel mit. Brot und Käse sind Standart. Bei Hitze übt der Pilger das 'Butterfasten', da die Sonne den Verfeinerer fürs Brot in dünnflüssiges Öl verwandeln würde. Überhaupt verderben die guten Vorräte bei Hitze schneller. Gewicht lässt sich sparen, indem man nur trägt, was man unbedingt tagsüber braucht. Abends kauft man ein für den Morgen. Ein Apfel, den man einen Tag herumträgt, belastet den Rucksack unnötig um 200 Gramm. Abends bieten manche Restaurants ein spezielles 'Pilgermenü'.

Ganz wichtig ist es, genug zu trinken, insbesondere bei Hitze. Dann sind 3 Liter täglich unerlässlich. Eine ganz normale 1 Liter PE-Flasche, die man immer wieder befüllt, reicht aus. Sie kann regelmäßig ausgetauscht werden. Gerade wenn es ums Trinken geht erlebt der Pilger ein überraschendes Paradoxon seines Seins: Friedhöfe verwandeln sich für ihn plötzlich in Orte des Lebens, wenn er dort frisches, fließendes Wasser findet.




Ausrüstungsteile unterwegs kaufen


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im Ausland kann sehr schwierig sein, da entsprechende Geschäfte am Weg rar sind und nicht die gleiche Qualität anbieten wie in Deutschland. (Der Autor kennt die Problematik). In größeren Städten findet man jedoch Material.




'Software'


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Hier braucht der Pilger nicht zu sparen, da sie nichts wiegt. Der Winter bietet eine gute Gelegenheit, intensiv die am Weg benötigten Fremdsprachen zu erlernen. Da man keine englischsprachigen Gebiete quert, wird auch nur selten englisch gesprochen. Das Gespräch unterwegs in Fremdsprache mit den Einheimischen ist unvorstellbar bereichernd und entlohnt tausendfach die Mühe des Winters.

Auch auswendig gelernte Lieder und Gedichte entwickeln sich auf dem Weg zu Schätzen, von denen der Pilger geistig zehrt, denn er 'lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes kommt'.

Der Jakobusweg ist ein Weg des Lebens. Tatsächlich gewinnt der Weg für viele Pilger entscheidende Bedeutung für ihr Leben, da er ihnen die Möglichkeit eröffnet, Erfahrungen zu sammeln, Entscheidungen zu treffen oder auch Probleme zu lösen. Es ist heilsam, wenn der Pilger diesem Prozess ein wenig an Antlitz zu verleihen vermag, indem er wichtige Gedanken schriftlich fixiert. Dazu dient z.B. ein sehr persönliches Heft mit dem der Pilger diskreten Umgang pflegt. Gedanken, die schon vor dem Aufbruch niedergeschrieben wurden, können sich als Schlüssel zu neuen Räumen erweisen.




Kamera


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Fotofreunde zerbrechen sich gerne lange den Kopf vor einer solchen Reise.

Hier finden Sie die Gedanken des Autors zur Kamera 




Nur Mut


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Wenn Sie bei der Lektüre dieses Erfahrungsberichts das Gefühl bekommen, sie müssten sich aufs Fegefeuer vorbereiten, nur Mut. Tatsächlich macht der Pilger auf seinem Weg eine Art 'Läuterungsprozess' durch, aber - und darin sind sich alle einig, die es glücklich geschafft haben:
Es ist ein sehr angenehmer.




Simon Brixel 

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